Handwerk
Startups sterben selten am Wettbewerb
Fast alle scheitern an sich selbst. Vier Muster, die häufiger tödlich sind als jeder Konkurrent.
Wer ein Geschäft aufbaut, verbringt in den ersten Monaten erstaunlich viel Zeit damit, an Wettbewerber zu denken. Wer sonst noch daran arbeitet. Was passiert, wenn ein Großer aufmerksam wird.
Diese Zeit ist fast immer verschwendet. Junge Unternehmen scheitern selten daran, dass jemand sie besiegt. Sie scheitern an sich selbst.
Muster 1: Das Team zerfällt
Der häufigste Grund für ein frühes Ende ist nicht der Markt, sondern der Konflikt zwischen den Menschen, die es aufgebaut haben.
Meist beginnt es klein: unterschiedliche Vorstellungen von Tempo, unausgesprochene Erwartungen an Rollen, ein Ungleichgewicht bei Aufwand oder Anteilen, über das niemand reden will. Dann folgen Monate, in denen alle höflich bleiben und niemand etwas anspricht. Und irgendwann ist es nicht mehr lösbar.
Das Gegenmittel ist unspektakulär: früh und regelmäßig über die unangenehmen Dinge sprechen. Wer Konflikte erst anspricht, wenn sie sich lohnen, spricht sie zu spät an.
Muster 2: Beschäftigung statt Arbeit
Es gibt eine Sorte Tätigkeit, die sich produktiv anfühlt und keine Wirkung hat. Konferenzen. Gespräche mit Investoren, die nicht investieren werden. Presse. Partnerschaftsgespräche mit großen Unternehmen. Die Optimierung interner Werkzeuge.
Das Tückische ist, dass diese Dinge angenehmer sind als die eigentliche Arbeit. Ein Konferenzgespräch ist leichter als ein Vertriebsgespräch, in dem man abgelehnt werden kann. Ein Investorentermin fühlt sich wichtiger an als der fünfzigste Kundenanruf.
In der Frühphase gibt es im Wesentlichen zwei Tätigkeiten, die zählen: bauen und mit Nutzern sprechen. Fast alles andere ist Beschäftigung.
Muster 3: Der große Partner
Ein Sonderfall, der so häufig vorkommt, dass er eigene Erwähnung verdient: die Kooperation mit einem großen Unternehmen, die alles verändern soll.
Der Ablauf ist fast immer gleich. Erste Gespräche laufen gut. Dann kommen Abstimmungsrunden, Rechtsabteilungen, Ansprechpartner, die wechseln. Nach sechs bis neun Monaten steht ein Vertrag oder auch nicht — und in beiden Fällen hat es mehr Kraft gekostet, als je zurückkommt.
Für einen großen Konzern ist so ein Vorhaben ein Projekt unter vielen. Für dich sind es die entscheidenden Monate.
Muster 4: Zu viel gleichzeitig
Ein junges Unternehmen kann genau ein Problem gut lösen. Wer versucht, drei Kundengruppen gleichzeitig zu bedienen oder zwei Kanäle parallel aufzubauen, macht beides halb.
Der Test: Nenne die eine Kennzahl, an der ihr diesen Monat gemessen werdet. Wer dabei ins Stocken gerät oder drei nennt, arbeitet an zu vielem.
Wann Wettbewerb doch zählt
Es gibt einen Zeitpunkt, ab dem Wettbewerbsdynamik entscheidend wird — nur liegt er selten im ersten oder zweiten Jahr. Solange du nicht weißt, ob dein Produkt gebraucht wird, ist die Frage nach Konkurrenz zweitrangig.
Nützlich ist Wettbewerbsbeobachtung genau in einer Hinsicht: um zu lernen, was Kunden dort vermissen. Alles darüber hinaus ist meist eine bequeme Art, sich mit etwas zu beschäftigen, das man nicht beeinflussen kann.
Die Frage am Ende jeder Woche sollte deshalb nicht lauten, was die anderen gemacht haben. Sondern ob du an dem gearbeitet hast, was tatsächlich zählt.
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