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Warum gescheiterte Gründer oft die besten Unternehmer werden — unter einer Bedingung
Erfahrung aus dem Scheitern ist wertvoll. Aber nur, wenn eine Sache passiert ist.
Wenn sich bei uns jemand bewirbt, dessen Unternehmen nicht funktioniert hat, ist das kein Nachteil. Es ist meistens ein Vorteil — und zwar ein erheblicher.
Aber nur, wenn eine Bedingung erfüllt ist. Ohne sie ist dieselbe Erfahrung wertlos oder sogar schädlich.
Was jemand mitbringt, der es versucht hat
Er kennt den Abstand zwischen Plan und Realität. Das ist keine Information, die man liest, sondern eine, die man erlebt. Wer einmal gesehen hat, wie ein sauberer Plan in Kontakt mit echten Kunden zerfällt, plant danach anders.
Er weiß, wie sich die stillen Monate anfühlen. Es gibt Phasen, in denen man arbeitet und sich keine Zahl bewegt. Wer das noch nie erlebt hat, hält es für ein Signal, dass etwas grundsätzlich falsch läuft. Wer es kennt, arbeitet weiter.
Er hat verkauft. Fast jeder, der etwas Eigenes gebaut hat, musste irgendwann jemandem etwas verkaufen, den er nicht kannte. Diese Erfahrung verändert Menschen. Sie nimmt dem Vertrieb das Mystische und macht ihn zu einer Fertigkeit unter anderen.
Er hat Entscheidungen getroffen, deren Folgen er getragen hat. Das ist die Fähigkeit, die man in keiner Beratung und in keinem Konzern erwirbt, weil dort immer jemand anderes am Ende entscheidet.
Die Bedingung
Das alles gilt nur, wenn die Person eine Sache getan hat: ehrlich hingeschaut.
Es gibt zwei Arten, über ein gescheitertes Unternehmen zu sprechen. Die eine klingt so: Der Markt war nicht bereit, der Mitgründer ist ausgestiegen, die Finanzierung kam nicht zustande, das Timing war schlecht. Jede dieser Aussagen kann stimmen. Zusammengenommen ergeben sie ein Bild, in dem die Person selbst nicht vorkommt.
Die andere klingt so: Ich habe zu lange an einem Segment festgehalten, obwohl die Zahlen es nicht hergaben. Ich habe erst nach neun Monaten angefangen zu verkaufen, weil ich lieber am Produkt gearbeitet habe. Ich habe den Konflikt mit meinem Mitgründer vermieden, bis er nicht mehr lösbar war.
Nur die zweite Art führt dazu, dass jemand beim nächsten Mal etwas anders macht.
Warum das so streng gilt
Nicht, weil Selbstkritik eine Tugend wäre. Sondern weil das Externalisieren von Ursachen eine Vorhersage über die Zukunft erlaubt.
Wer den Grund des Scheiterns außerhalb der eigenen Entscheidungen verortet, hat keinen Hebel für das nächste Mal. Er wird dieselbe Situation wieder erleben und wieder erklären können, warum sie nicht an ihm lag. Wer dagegen zwei, drei eigene Fehlentscheidungen konkret benennen kann, hat aus zwei Jahren etwas gelernt, das man nicht kaufen kann.
Deshalb ist es in unseren Gesprächen die aufschlussreichste Frage überhaupt: Was würdest du heute anders machen? Nicht die Antwort zählt, sondern ob sie bei einem selbst anfängt.
Ein Hinweis in eigener Sache
Diese Frage ist unangenehm, und sie soll es sein. Sie ist aber keine Falle. Wir suchen nicht nach Selbstzerknirschung, und wer sein Scheitern als moralisches Versagen darstellt, hat es genauso wenig verarbeitet wie jemand, der es abschiebt.
Was wir suchen, ist die nüchterne Variante: Das ist passiert, das habe ich falsch eingeschätzt, das mache ich jetzt anders. Wer so sprechen kann, ist in der Regel deutlich weiter als jemand, der es nie versucht hat.
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