Modell
Wie wir entscheiden, eine Idee abzubrechen
Validierung ist kein Interview. Sie ist eine Rechnung, die aufgehen muss.
Die Idee war gut. Das ist bei den meisten so, die wir abbrechen.
Wir hatten einen Markt gefunden, in dem Anbieter seit Jahren dasselbe machen und Kunden sichtbar unzufrieden sind. Volumen, Zahlungsbereitschaft, ein Prozess, der offensichtlich besser laufen könnte — auf dem Papier alles da. Drei Monate später haben wir es abgeschaltet.
Nicht weil sich etwas als falsch herausgestellt hätte. Sondern weil sich herausgestellt hat, was tatsächlich stimmt.
Monat eins: Das Problem war nicht das teuerste
Wir starten jede Phase 1 mit einer These und führen Gespräche mit potenziellen Kunden. Nicht, um die These bestätigt zu bekommen — sondern um herauszufinden, wo sie nicht stimmt.
Sie stimmte nicht. Das Problem, das wir lösen wollten, war real, aber die Leute hatten sich damit arrangiert. Was sie tatsächlich Geld kostete, lag zwei Schritte davor im Prozess und hatte mit unserer ursprünglichen Idee wenig zu tun.
Das ist der häufigste Befund aus dem ersten Monat. Es gibt fast immer ein Problem. Selten ist es das, für das jemand bezahlt.
Also haben wir das Angebot verschoben. Nicht den Markt, nicht die Branche — nur die Stelle, an der wir ansetzen.
Monat zwei: Die Nachfrage war da
Landingpage, ein Angebot, ein Preis, ein Formular. Dann echtes Werbebudget auf zwei Kanäle.
Es kamen Anfragen, daraus wurden Gespräche. Die Konversionsrate war ordentlich, die Gespräche liefen gut, ein Teil der Interessenten wollte kaufen.
An dieser Stelle fühlt es sich richtig gut an. Und genau hier hören die meisten auf zu rechnen.
Monat drei: Die Rechnung ging nicht auf
Aus den Gesprächen wurden verbindliche Zusagen. Daraus ließ sich zum ersten Mal ein belastbarer Akquisepreis ableiten — und dem stand ein erwarteter Deckungsbeitrag gegenüber, der ihn innerhalb unseres Zeitfensters gerade so getragen hätte. Grenzwertig, aber machbar, wenn die Menge stimmt.
Sie stimmte nicht. Als wir hochgerechnet haben, wie viele Kunden mit genau diesem Profil in Deutschland überhaupt existieren, kamen wir auf ein Segment, das für unser Ziel zu klein ist.
Wir hätten daraus ein solides kleines Geschäft bauen können. Aber keines, das den Aufwand rechtfertigt, den ein Aufbau kostet — und ein kleines Geschäft aufzubauen dauert fast genauso lange wie ein großes.
Was das gekostet hat
Ein Quartal und ein überschaubares Budget. Dafür gab es eine belastbare Antwort auf eine Frage, an der andere zwei Jahre arbeiten, bevor sie sie überhaupt stellen.
Das ist der Zweck von Phase 1. Sie ist nicht dazu da, eine Idee zu bestätigen. Sie ist dazu da, sie so früh wie möglich umzubringen, wenn sie nicht trägt.
Drei Dinge, die wir daraus mitgenommen haben
Die Marktgröße gehört an den Anfang, nicht ans Ende. Wir haben sie zuletzt gerechnet, weil die Nachfrage so gut aussah. Andersherum hätten wir zwei Monate gespart.
Gute Gespräche sind kein Signal. Menschen sind höflich, besonders wenn sie das Problem kennen. Erst die verbindliche Zusage ist ein Datenpunkt.
Ein Segment, das funktioniert, ist kein Markt, der trägt. Beides zu verwechseln ist einer der teuersten Fehler im Unternehmensaufbau — und einer der leichtesten, weil sich beides identisch anfühlt.
Drei Wochen später lief die nächste Idee an. Genau deshalb funktioniert das Verfahren: Wer schnell abbricht, hat immer eine nächste.
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