Modell
Zehn Kunden, die dich lieben, schlagen tausend, die dich okay finden
Warum Begeisterung bei wenigen mehr wert ist als Zustimmung bei vielen.
Die aussagekräftigste Kennzahl der Frühphase steht in keinem Dashboard: Wie sehr würde es einer Handvoll Kunden fehlen, wenn es dich morgen nicht mehr gäbe.
Zehn Menschen, die ein akutes Problem haben und deine Lösung dafür brauchen, sind ein besseres Fundament als tausend, die dich ganz nett finden. Das klingt kontraintuitiv, weil tausend nach Erfolg aussieht. Es ist trotzdem so.
Warum wenige Begeisterte mehr wert sind
Sie beweisen, dass das Problem echt ist. Wer ein Produkt liebt, hat vorher gelitten. Wer es okay findet, hatte kein Problem, sondern eine leichte Unannehmlichkeit — und dafür gibt niemand dauerhaft Geld aus.
Sie sagen dir, was zu bauen ist. Von tausend lauwarmen Nutzern bekommst du Durchschnittswerte. Von zehn begeisterten bekommst du präzise Beschwerden, und Beschwerden sind die nützlichste Form von Rückmeldung.
Sie bleiben. Und Bleiben ist die Größe, an der sich später alles entscheidet. Ein Geschäft mit begeisterten Nutzern wächst langsamer und hält. Eines mit vielen lauwarmen sieht schneller gut aus und läuft aus.
Sie bringen andere mit. Menschen empfehlen nichts, das sie okay finden. Empfehlung braucht ein gewisses Maß an Übertreibung, und die kommt nur aus echter Begeisterung.
Warum Wachstum das Ergebnis ist, nicht der Weg
Der häufigste Fehler ist, in dieser Phase zu wachsen.
Wenn zehn Prozent deiner Nutzer bleiben und du gibst Geld für Reichweite aus, kaufst du neunzig Prozent Verlust ein. Das Problem wird durch Wachstum nicht kleiner, sondern nur teurer und schwerer erkennbar, weil ständig neue Zahlen hereinkommen.
Wachstum ist die Folge davon, dass etwas funktioniert. Es ist nicht der Weg dorthin. Und es hat einen unangenehmen Nebeneffekt: Es verdeckt Probleme so lange, bis sie nicht mehr zu reparieren sind.
Dasselbe gilt für unprofitable Modelle. Wer bei jedem Verkauf draufzahlt, wird das durch Menge nicht ausgleichen. Man verliert dann schneller, nicht weniger.
Wann man Kunden loswerden sollte
Das ist der Teil, der am meisten Überwindung kostet: Manche Kunden schaden dir.
Sie kosten unverhältnismäßig viel Betreuung. Sie verlangen Funktionen, die niemand sonst braucht und die dein Produkt in eine Richtung ziehen, in die du nicht willst. Sie zahlen wenig und binden viel.
Der Test ist nicht Sympathie, sondern die Frage: Wenn wir ausschließlich Kunden wie diesen hätten, wäre das ein gutes Geschäft? Bei einem Teil lautet die Antwort nein. Diese Kunden gehören abgegeben, so freundlich wie möglich und so früh wie möglich.
Das fühlt sich falsch an, wenn man wenige Kunden hat. Es ist trotzdem richtig, weil jeder Kunde nicht nur Umsatz ist, sondern eine Richtungsentscheidung für dein Produkt.
Was daraus folgt
Such nicht nach dem größten erreichbaren Publikum. Such nach der kleinsten Gruppe, für die dein Angebot unverzichtbar wäre — und bau erst einmal ausschließlich für die.
Ausweiten kann man später. Aber ein Produkt, das für niemanden wichtig ist, wird durch mehr Nutzer nicht wichtiger.
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